Auf einen Kaffee mit … Elke Durst

Auf einen Kaffee mit … Elke Durst,
Managing Director der Team Seefried Group in Tutzing
im Gespräch mit
Annette von Nordeck, Wirtschaftsfördererin der gwt Starnberg GmbH

Lassen Sie uns ein Stück an Ihrem Lebensweg teilhaben. Wie kam es dazu, dass Sie da sind, wo Sie heute sind?

Also, ich komme eigentlich aus Baden-Württemberg und war nach dem Abitur für ein Jahr als Au-Pair im Ausland. Anschließend wollte ich studieren und hatte mich für angewandte Weltwirtschaftssprachen in Worms beworben und gleichzeitig an der Fachhochschule in München für Touristik-Betriebswirtschaft. In München habe ich dann den Zuschlag für einen Studienplatz bekommen, bin ganz freudig umgezogen und habe hier gleich im ersten Semester meinen Mann kennengelernt. Die Praxissemester habe ich im Ausland absolviert, das Erste in einem Hotel in der Karibik und das Zweite bei einer Agentur in Eching, die damals „ITM incentive travel“ hieß. Dort wurde ich damals sofort übernommen. So kam es, dass ich eigentlich schon seit 1993 mit Jochen Seefried zusammenarbeite – und das auch nie bereut habe. 

Und später sind Sie dann von Eching im Münchner Norden in den Landkreis Starnberg gezogen?

Genau, wir waren mit der Agentur zunächst in der Parkstadt Schwabing und sind dann vor 8 Jahren nach Tutzing. Privat wohne ich schon seit 2001 am Starnberger See, erst in Starnberg und seit 2004 in Feldafing. 10 Jahre lang bin ich täglich nach München reingefahren, was vom Verkehr her wirklich katastrophal war. Zum Glück fand Jochen Seefried dann durch Zufall dieses Grundstück und hat die Agentur hier angesiedelt.

Und wie kamen Sie dann in die Geschäftsführung?

1996 haben sich Jochen Seefried und sein Geschäftspartner getrennt. Ich war bereits seine rechte Hand, da fragte er mich, ob ich nicht mit einsteigen wolle.

Falls Sie nicht gefragt worden wären, hätten Sie sich auch selbst ins Spiel gebracht?

Ja, es war auch relativ schnell klar, dass wir das zusammen machen. In einer Agentur ist man nicht gerne Einzelkämpfer. Es ist ganz wichtig, ein gutes Team um sich zu haben, auf das man sich zu 100 % verlassen kann. Für mich war das toll, ich war jung und wir kannten uns ja schon eine gewisse Zeit. Für mich war das eine super Chance. Wir haben eine GmbH & Co. KG gegründet, ich bin die Kommanditistin. Das Unternehmen ist so ausgelegt, dass wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die länger als fünf Jahre bei uns sind, beteiligen. Dazu gehören auch Frauen, die eine Kinderpause eingelegt haben. Ich selbst bin ja auch wegen meiner Kinder eine Zeitlang kürzergetreten, wenngleich ich nie ganz aufgehört habe.

Im Agenturgeschäft ist es ja üblich, dass mehr Frauen vertreten sind. Kann man daraus schließen, dass es wie Sie auch mehr Unternehmerinnen gibt?

Nicht unbedingt, die Unternehmen leiten meist Männer. Mittlerweile gibt es schon auch Frauen als Unternehmerinnen. Aber als ich anfing, kannte ich gar keine Frauen auf dieser Ebene. Es gab schon immer die One-Man oder One-Woman-Agenturen, aber größere Agenturen eher nicht, das war schon sehr männerlastig.

Gab es irgendein Erlebnis, positiv oder negativ, bei dem Sie diese Mann-Frau-Thematik zu spüren bekommen haben?

Negatives ist mir nie widerfahren, im Gegenteil, ich bekam eher Zuspruch von den Männern.

Hätten Sie sich gerne mehr Frauen in Führungspositionen als Vorbilder gewünscht?

Nein, eigentlich nicht. Ich hatte auch niemanden, mit dem ich mich in meinem Bereich vergleichen konnte.

Was treibt Sie an – persönlich und ganz allgemein?

Mein Antrieb ist sehr vielfältig. Auf jeden Fall meine Familie, ich habe drei Jungs – also mit meinem Mann vier Jungs – zuhause und das treibt mich automatisch an. Da heißt es jeden Tag aktiv sein, auch wenn ich mal nicht will. Im Unternehmen blicke ich mittlerweile mit Stolz auf 27 Jahre zurück, in denen ich wirklich viel geschafft habe. Mir macht es ja auch nach wie vor Spaß! Das ist ein ganz wichtiger Punkt: ich gehe jeden Tag wirklich gerne in die Agentur. Das kann ich hoffentlich meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch so vermitteln. Mir machen die Menschen richtig Spaß, ich möchte genau mit diesem Team zusammenarbeiten. Dazu will ich Veranstaltungen schaffen, die den Leuten ein Lachen ins Gesicht zaubern – das ist eine durch und durch positive Arbeit: Momente zu kreieren, die begeistern, motivieren und Freude machen. Wenn das dann alles so klappt, wie zuvor auf dem Papier geplant, macht mich das stolz und erfüllt mich. 

Die aktuelle Situation hat Ihr Unternehmen ja stark getroffen. Was holt Sie da immer wieder raus?

Also am Anfang war ich wirklich schockiert, das muss ich ganz ehrlich sagen. Es gab in der Vergangenheit öfter mal Auf und Abs und Umsatzeinbußen, aber es war nie alles weg. Wir machen ja nicht nur Incentive-Reisen, sondern auch ganz viele Tagungen und sind auch auf Strategisches Meeting-Management umgestiegen. 2019 haben wir 800 Tagungen weltweit organisiert. Dazu kommen noch andere Events und unsere „helpcentives“. Am Anfang dachte ich also nach ein paar Monaten ist bestimmt wieder alles vorbei und fand es gar nicht so dramatisch. Erstmal waren wir auch richtig beschäftigt, um Hunderte von Veranstaltungen zu stornieren oder umzubuchen. Dann kam aber keine neuen Anfragen mehr rein – normal wären etwa 25 pro Woche. Dann kam für uns erstmal Kurzarbeit. Ein langfristiger Kundenvertrag hat uns dann über die ersten Monate gerettet, er wurde uns dann aber auch gekündigt.

Unser Glück war dann unser zweites Standbein Succevo und die Möglichkeit in relativ kurzer Zeit digitale Veranstaltungen umzusetzen. Wir haben nur 2 Monate gebraucht, um auf die Online-Registrierungen eine App, eine entsprechende Webseite und diese virtuellen 3D Messe-Locations umzusetzen. Ich hatte das bei einer Konkurrenz-Agentur gesehen und fand das super. So bieten wir jetzt mit Succevo hybride Veranstaltungen und digitale Veranstaltungen an.

Und Team Seefried als solches wird es dann so nicht mehr geben?

Doch, Succevo wird nur die Plattform bereitstellen und die Partneragenturen machen die Veranstaltungen für den Endkunden. Das funktioniert gerade richtig toll – bis Ende November 2020 haben wir bereits von einem Kunden 15 Veranstaltungen.

Hätten Sie sich das vor Corona vorstellen können, dass es so jemals kommen könnte? Wie fühlt sich das für Sie an?

Eigentlich ist es schon komisch, wir haben so gehandelt, um die Agentur zu retten. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass sich dieses Reise- und Tagungsverhalten komplett verändern wird. Schon der Nachhaltigkeitsgründen wegen. Die Firmen merken, dass man sich nicht immer persönlich treffen muss, da es einfach auch digital so viele Möglichkeiten gibt.

Sind Sie von Ihrer Persönlichkeit her ein digitaler Mensch?

Eigentlich gar nicht, aber ich lerne jeden Tag und das macht richtig Spaß.

Wie haben Sie es geschafft, in dieser schwierigen Phase alle Mitarbeiter mitzunehmen?

In der Kurzarbeit hatten wir trotzdem wöchentlich Telefontermine und ich habe versucht, die Kolleginnen und Kollegen weiterhin zu motivieren und aufzubauen und das hat soweit auch geklappt.

Wo führt es Sie in unserer Region hin, wenn Sie sich treiben lassen?

Raus in die Natur – dabei bin ich immer wieder über die Schönheit sprachlos. Mein Mann und ich gehen jeden Sonntag vor 8 Uhr mit dem Stand-Up-Paddle auf den spiegelglatten See mit dem Blick auf die Alpen. Und jedes Mal denk ich mir: „Das gibt es doch nicht, so schön ist es.“ Diese Ruhe ist wirklich unglaublich toll. Im letzten Jahr haben wir außerdem angefangen den Münchner Jakobsweg zu laufen. Außerdem radeln wir unglaublich gerne, auch jedes Jahr mindestens einmal um den Starnberger See. Und im Sommer schwimme ich jeden Tag eine ¾ Stunde. Nun habe ich auch eine Schwimmboje, da mein Mann Angst hat, dass ich untergehe, wenn ich so weit rausschwimme. Ein Segelboot haben wir auch,
das liegt aber nicht im Wasser, sondern auf einem Trailer in der Garage. So können wir auch mal an den Ammersee fahren. 

Worin liegt Ihre größte Kraftquelle? Was müssen Sie mindestens einmal am Tag gemacht haben, wenn mal Nichts mehr geht?

Schwimmen! Da bin ich für mich ganz alleine. Ich sauge dann dieses Panorama in mich auf und danach geht’s mir wieder gut. Aber 18 Grad sollte das Wasser schon haben.

Was möchten Sie den Unternehmerinnen und Unternehmern hier mitgeben?

Gerade jetzt mit COVID-19 zahlt es sich aus, dass wir schon immer auf agile Strukturen und Diversität Wert gelegt haben. Wir haben schon immer darauf geachtet, dass wir unser Dienstleistungsportfolio erweitern und unsere Zielgruppen und unseren Kundenstamm ausbauen können. So kamen wir jetzt auch auf unser zweites Standbein, welches uns jetzt auch durch diese Krise rettet.

Man sollte als Unternehmen wirklich immer aufpassen und sich nicht ausruhen, sobald es einem gut geht. Stattdessen sich anstrengen, Mut für Veränderungen haben und diese aktiv herbeiführen. Wir haben uns als Geschäftsführer schon immer mindestens einmal im Jahr rausgenommen, sind irgendwo hingefahren und haben überlegt, was  läuft gut, was nicht so gut und was wollen wir ändern. So haben wir immer wieder neue Wege beschritten.

Was würden Sie ganz speziell Frauen mitgeben wollen?

Frauen können heute mehr denn je Familie und Beruf unter einen Hut bringen. Auch wenn es anstrengend ist, lohnt es sich durchaus dran zu bleiben. Die eigenen Kinder finden einen irgendwann spießig oder wollen nicht mehr so viel von einem wissen. Dann hat man zwar seine Freiräume wieder. Wäre ich aber im Unternehmen nicht drangeblieben, würde ich mich jetzt ganz schön schwertun. Das wäre für mich nicht erfüllend. Für mich hat sich da die ganze Anstrengung auf jeden Fall gelohnt und ich bin sehr glücklich mit allem.

Möchten Sie abschließend noch etwas sagen, das Ihnen wichtig ist?  

Mir ist noch wichtig zu sagen, wie wichtig mir unsere sinnstiftenden Veranstaltungen geworden sind – unsere helpcentives. Gerade erfolgreiche Menschen freuen sich, wenn sie Gutes tun können. Vor allem erfahren Unternehmen auch viel mehr Anerkennung, wenn sie Geld in die Hand nehmen und dafür etwas Konkretes gemacht wird, das bleibt: wie z.B. ein Haus oder eine Brücke bauen  oder Bäume pflanzen. Ich glaube, dass sowas viel mehr verbindet und man mehr zusammenrückt. Am Anfang meiner Laufbahn fand ich die Incentive Reisen in großartige Ressorts klasse, mittlerweile bin ich über die Jahre davon ganz abgekommen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch und die Zeit, die Sie sich für uns genommen haben!

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