Auf einen Kaffee mit … Michael Padberg

Auf einen Kaffee mit … Michael Padberg
Geschäftsführer der PTC Telecom GmbH in Wörthsee
im Gespräch mit
Annette von Nordeck, Wirtschaftsfördererin der gwt Starnberg GmbH

Wie kam es dazu, dass Sie die PTC Telecom GmbH gegründet haben?
Hintergrund war, dass ich in meinem früheren angestellten Berufsleben immer wieder an Grenzen gestoßen bin und ich mir irgendwann sagte: „Michael, nun musst Du es selbst machen…“ Es gibt unterschiedliche Vorstellungen von Herangehensweisen und deshalb habe ich mich dann mit meinem Unternehmen PTC Telecom vor nun mittlerweile 31 Jahren selbstständig gemacht.

Dürfen wir wissen, was sie damals so an Ihre Grenzen gebracht hat, was dann in Ihrer Selbstständigkeit mündete?
Ich liebe Innovationen und neue Ideen, dies begleitet mich schon mein ganzes Leben. Ich wollte immer wieder neues machen, immer wieder neues ausprobieren und das geht in einer Anstellung nur bis zu einem gewissen Grad. In meinem Fall war es so, dass ich wieder ein neues Produkt kreiert habe und dieses Produkt wollte ich natürlich auch in den Markt treiben. Dabei gab es aber Vorgesetzte, die das für sich vereinnahmen und anders aufbauen wollten, einmal mehr sollte ich für jedes Detail um Erlaubnis bitten und an die Hierarchien denken. Das waren die Dinge, die mich wahnsinnig gemacht und mit dazu getrieben haben, es selbst zu machen.

Was treibt Sie an, was inspiriert Sie?
Neues auszuprobieren, nicht in eingefahrenen Gleisen arbeiten zu müssen, einfach in die Zukunft zu schauen, das aber immer mit Menschen. Ich bin nicht der Typ, der die Dinge mit sich alleine im Kämmerchen ausmacht, sondern ich brauche immer wieder die Inspiration mit und durch Menschen und ich brauche die Reflektion, die ich nun auch immer mehr von meinen MitarbeiterInnen einfordere. Weiterhin treibt mich an, alles ein Stück weit besser und leichter zu machen, den Erfolg zu planen und umzusetzen und andere am Erfolg teilhaben zu lassen. Für mich ist auch die gemeinsame Zielerreichung im Team ganz wichtig. Klar, gibt es mich, der antreibt, der eine Vision hat – teilweise leiden meine MitarbeiterInnen darunter, aber das ist auch mein Job als Unternehmer. Das gemeinsame Umsetzen ist sicher auch ein Teil der Erfolgsstory der PTC Telecom.

Wollen Sie mit dem Produkt die Welt verbessern oder ist das Produkt eher Mittel zum Zweck, um sich als Unternehmer selbst in Ihrer Freiheitsliebe zu verwirklichen?
Ein Produkt ist immer Mittel zum Zweck, da die Lösung als solches das Wichtige ist. Als Unternehmer bin ich ein Stück weit freier, weil ich alleine die Entscheidungen treffen kann. Aber eigentlich bin ich Diener meiner MitarbeiterInnen, da ich eine große Verantwortung für mittlerweile über 70 MitarbeiterInnen habe. Das sind ein paar Millionen Euro Personalkosten pro Jahr, die erst einmal erwirtschaftet werden müssen. Diese Verantwortung nehme ich an, da letztendlich ein Großteil meiner Arbeit davon bestimmt ist, sicherzustellen, dass die Gehälter gezahlt werden können. Hierzu ist es wichtig, anzuerkennen, dass sich die Welt verändert und es als UnternehmerIn wichtig ist, über den Tellerrand zu blicken, wohin der Markt sich entwickelt und welche Geschäftsmodelle auch zukünftig noch funktionieren. Daher ist es wichtig sich immer wieder anzupassen. Für mich ist das ein ganz anstrengender, aber auch befriedigender Weg, da nichts bleibt wie es ist und ich immer wieder neue Wege finden, neue Pfade einschlagen und neue Ideen finden muss. Meist sind es ja nicht die riesen Schritte, in dem man das Geschäftsmodell A zum Geschäftsmodel Y macht, sondern es geht darum, dass man das, was man macht immer noch besser machen kann. Und der Erfolg bringt dann auch wieder ganz viel Freude mit sich.

Gab es in den 31 Jahren als Unternehmer auch eine Phase, in der der Gedanke aufkam, ein neues Produkt zu brauchen, damit Sie sich weiter entwickeln können oder auch eine Phase, in der Sie am liebsten dem Unternehmertum den Rücken gekehrt hätten?
Es gibt Höhen und Tiefen und das permanent. Aber den Gedanken, das ich nicht mehr Unternehmer sein will, gab es nie. Man muss viel Kraft haben, um die Tiefen zu durchstehen. Für mich ist das immer wieder wie Bergsteigen. Wenn man Ziele vor sich hat, geht man den Berg hinauf, das ist dann total anstrengend. Dann aber oben angekommen, kann man stolz sein, was man erreicht hat und dann geht es bestimmt auch schon wieder bergab. Es geht nicht immer nur nach oben. Es heißt permanent neue oder weiterreichende Ziele formulieren. Aber für mich gibt es nichts anderes.

Wo nehmen Sie Ihre Kraft her?
Einerseits aus meiner Familie. Die Familie ist für mich ein wichtiger Rückzugsort. Dort kann ich mich zurückziehen und wieder Kraft schöpfen. Meine Frau und meine beiden Kinder sind das Beste, was mir passiert ist. Doch es sind auch so banale Dinge, wie in der Natur zu sein und zu meditieren. Ich gebe mir auch selbst Zeit, mal ein paar Stunden gar nichts zu tun.

Wohin führen Sie Ihre Wege in der Region StarnbergAmmersee, wenn Sie sich treiben lassen?
Ich wandere gerne, z.B. immer wieder gerne durch das Kiental nach Andechs. Mir macht es auch großen Spaß am Wörthsee oder am Weßlinger See zu spazieren, oder einfach nur aufs Wasser zu schauen. Ich bin total glücklich darüber, dass wir hier leben und arbeiten dürfen. Das wir die Chance haben, die Natur so zu erleben und die Berge so nah zu haben. Ich bin kein Läufer und kein Radlfahrer, ich fahre dann lieber mit dem Motorrad um den Starnberger See. Ich wohne privat in Gilching relativ am Ortsrand. Wenn ich mein Haus verlasse, bin ich im Steinberg und das ist einfach nur schön. Aus dieser Ruhe hole ich mir ganz viel Kraft.

Nun weiß ich, dass Sie noch so viel mehr Kraft haben, um sich seit einigen Jahren ehrenamtlich als Vorsitzender des Unternehmerverbandes UWS zu engagieren und zusätzlich auch noch ehrenamtlicher Richter sind. Welche Motivation treibt Sie hier an?
Meine Motivation ist ganz klar, dass ich etwas zurückgeben möchte. Ich habe so viel Glück in meinem Leben gehabt, mir geht es emotional so gut und es wäre unfair, wenn ich das alles für mich behalten würde. Es kostet mich viel Zeit und auch viel Kraft – ja, aber ich mache das total gerne, weil dies für mich eine Herzensangelegenheit ist, dass ich das Glück und das schöne Leben, welches ich führen darf, auch an die Gesellschaft zurückgeben kann. Mir geht es auch deshalb so gut, weil wir einerseits in dieser tollen Natur leben dürfen, aber auch weil unser Miteinander und unsere gesellschaftliche Begegnung harmoniert. Und Gesellschaft ohne Ehrenamt ist meiner Meinung nach nicht gesund, deshalb engagiere ich mich! Es ist mir wichtig, dass wir miteinander die Gesellschaft ein Stück besser machen.

Was können wir dabei von Ihnen lernen? Was möchten Sie den UnternehmerInnen unserer Region mitgeben?
Für mich ist ein wichtiger Leitsatz: „Stillstand ist Rückschritt“. Jede und jeder sollte sich wirklich hinterfragen, wie kann ich mich verbessern, wie kann ich Dinge neu justieren und wie kann ich – und das ist für mich ganz wichtig – meine MitarbeiterInnen in diese Entwicklung integrieren. Für mich ist es immer wieder faszinierend, wieviel Know-how in den einzelnen MitarbeiterInnen steckt. Wenn wir es schaffen, den Austausch unter den MitarbeiterInnen aktiv zu gestalten und mit ihnen zusammen Ziele zu definieren und sie mit all ihrem Wissen und ihrem Engagement mitnehmen, kann es nur gut werden. Dabei sehe ich mich immer mehr – ohne unterwürfig zu erscheinen – als Diener meiner MitarbeiterInnen. Wenn ich ihnen den Rahmen schaffe, dass sie optimal arbeiten können, dann sind wir gemeinsam erfolgreich. Für mich gibt es so gut wie nichts, was ich meinen MitarbeiterInnen vorenthalte. Sie wissen, dass wir Gewinn erwirtschaften müssen. Ich sage ihnen auch, dass wir für die Nachhaltigkeit arbeiten, dass wir uns letztendlich auch um unsere Umwelt kümmern müssen. Deshalb haben wir auch unsere Bienenstöcke und sind wir Teil von ÖKOPROFIT – dies ist mir wichtig.

Sie sprechen die Bienen an. Sie wollen dort auf der Wiese auch Arbeitsplätze einrichten. Wie kommen Sie auf solche etwas unüblichen Ideen?
Die Wertschätzung meiner MitarbeiterInnen treibt mich hier an. Ich liebe meine MitarbeiterInnen und schaue daher immer wieder, wie wir Dinge für sie besser machen können. Z.B. dass wir Massagen anbieten, es jeden Tag frisches Obst gibt und eben die Bienen. Bienen brauchen Wasser – daraus entstand die Idee einen Teich anzulegen. Wir werden einen Pavillon und einen Grillplatz aufbauen und haben gerade WLAN gelegt. Für den Cortisol-Spiegel ist das Arbeiten in der Natur auch total wichtig. Dort werden ca. 20 Arbeitsplätze entstehen.

Wie lautet ihr Lebensmotto?
„Love it, change it or leave it“ – diese Haltung hat mich schon mein ganzes Leben begleitet. Ich habe mein früheres berufliches Leben nicht mehr geliebt, also habe ich es verändert. Jammern ist für mich keine Option. Wenn es Menschen nicht wert ist etwas zu ändern, dann sollten sie den Umstand akzeptieren und dann auch lieben. Wenn man dies konsequent durchdenkt, macht es das Leben viel einfacher. Aber ich muss dafür meinen Bequemlichkeitsfaktor aufgeben.

Welches Buch lesen Sie gerade?
Ich lese sehr gerne. Nur ehrlich gesagt, bin ich kein Typ für Fachliteratur. Um den Kopf frei zu bekommen, lese ich mittelalterliche Romane, auch um in die Geschichte dahinter einzutauchen und davon zu lernen.

Gibt es noch irgendetwas, was sie uns mit auf den Weg geben wollen?
Gerade auf die jetzige Situation bezogen, in der uns Corona alle so beschäftigt, ist es mir von Herzen wirklich wichtig, dass wir uns nicht von der Angst einnehmen lassen. Ich bin überzeugt davon, dass Angst kein guter Ratgeber ist. Bei allen Risiken, die wir haben, leben wir in einer Welt, die so sicher ist wie noch nie. Wir sollten uns das nicht von einer gefühlten Angst wegnehmen lassen und auch die Lebenslust dabei nicht verlieren. In der Neurologie spricht man vom Hippocampus, der wachsen und schrumpfen kann und mit Angst angereichert, schrumpft er und kann weniger Glückshormone ausstoßen. Wenn wir das zulassen, werden wir uns alle nicht positiv entwickeln. Jeder kann dazu beitragen, dass er nicht in diese Falle tappt und Teil dieser Angstgruppe wird. Ja, wir müssen die Maßnahmen zu Corona ernst nehmen, uns aber nicht von der Angst vereinnahmen lassen. Das Leben hält so viel Positives für uns bereit. Das Leben ist tödlich, aber bis es soweit ist, genieße ich das Leben. Das sollten wir nicht verlernen.

Wie denken Sie über sich und hat Ihre Gedankenwelt dazu beigetragen, dass Sie heute da sind, wo Sie sind?

100 %ig!! Es gibt immer wieder Hürden, aber ohne positive Gedanken geht es nicht. Natürlich sehne ich mich auch mal nach Ruhe, wenn mir alles zu viel wird oder bin schlecht gelaunt – das gehört dazu zum Leben. Aber ich versuche immer zu akzeptieren, was gerade ist und bin überzeugt davon, dass es gut weitergeht. Niemand hat es bisher geschafft, mir diese positive Grundeinstellung zu nehmen. Im Gegenteil – je älter ich werde, desto positiver werde ich!

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